Internationale Aufmerksamkeit für Wiener Sportkardiologie: Publikation und Editorial zu „Herz des Freizeitsportlers“ im European Journal of Preventive Cardiology (EJPC)
Wenn Prof. Antonio Pelliccia, international renommierter Sportkardiologe mit den meisten und höchstrangigen Publikationen, ein Editorial schreibt, schaut die Fachwelt ganz genau hin. Genau das ist nun zur Arbeit von Dr. Theresa Hofbauer, Ärztin und PhD-Studentin aus dem Forschungsteam um Univ.-Prof. Jürgen Scharhag, geschehen.
Im renommierten European Journal of Preventive Cardiology (EJPC) ist Dr. Hofbauers Studie zum „Herz des Freizeitsportlers“ („The recreational athlete’s heart: Sex-specific three-dimensional echocardiographic reference values in relation to VO2peak“) erschienen.
Zugleich würdigt ein Invited Editorial von Prof. Pelliccia diese Arbeit. Er ordnet die Studie in den internationalen Kontext ein und betont dabei die Relevanz des neuen Konzepts des „recreational athlete’s heart“, den hohen praktischen Nutzen für Sportmedizinerinnen und Kardiologinnen, die täglich Freizeitsportler*innen beurteilen, sowie die Bedeutung der Arbeit von Dr. Hofbauer und dem Wiener Team für das weitere Verständnis von bewegungsinduzierten Herzveränderungen.
Das „Herz des Freizeitsportlers“ als neuer Begriff
Das „Sportherz“ ist seit vielen Jahren bekannt: Durch umfangreiches und intensives Ausdauertraining passt sich das Herz bei Leistungssportler*innen an, wird größer und leistungsfähiger – eine gesunde, physiologische Veränderung. Die Studie von Dr. Hofbauer erweitert dieses Konzept nun auf die große Gruppe der regelmäßig, aber nicht professionellen Sporttreibenden – jene Menschen, die mehrmals pro Woche laufen, Rad fahren, ins Fitnessstudio gehen oder Teamsport betreiben.
Prof. Scharhag fasst zusammen: „Unsere Daten zeigen, dass sich bereits bei Freizeitsportler*innen das Herz strukturell und funktionell anpasst und harmonisch vergrößert. Das besondere an der Studie ist, dass wir nun für Freizeitsportler 3D-Referenzwerte haben, die helfen können, krankhafte von gesunden Herzvergrößerungen bei Hobbysportlern besser zu erkennen.“
Wer wurde untersucht?
Untersucht wurden 291 gesunde, regelmäßig sportlich aktive Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren (44 % Frauen). Zum Einsatz kamen modernste sportkardiologische Verfahren:
- 3D-Echokardiographie (Herzultraschall) zur exakten Größenbestimmung aller Herzhöhlen
- Speckle-Tracking zur Analyse der Herzfunktion
- Spiroergometrie zur Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO₂peak) als objektives Maß der Fitness
Zentrale Ergebnisse – was passiert im Herzen von Freizeitsportler*innen?
- Je fitter, desto größer das Herz
Mit steigender Ausdauerleistungsfähigkeit nehmen die Volumina aller Herzhöhlen zu. - Harmonische Hypertrophie statt krankhafter Veränderung
Alle Herzhöhlen vergrößern sich gleichmäßig – ein wichtiger Hinweis für die physiologische, gesunde Anpassung. - Geschlechtsspezifische Unterschiede
Bei gleicher Fitness ist das Herz von Männern im Durchschnitt größer als das von Frauen – ein bedeutsamer Faktor für die Interpretation von Befunden. - Konstante Größenverhältnisse
Trotz zunehmender Herzgröße bleiben die Verhältnisse der Herzhöhlen zueinander stabil – ein weiteres Zeichen einer gesunden Anpassung an regelmäßigen Freizeitsport.
Nutzen für Freizeitsportler*innen und Ärzt*innen
Die Studie liefert konkrete Mehrwerte für die tägliche Praxis:
- Bessere Beurteilung von Sportlerherzen
Ärzt*innen erhalten geschlechts- und fitnessspezifische Referenzwerte für die 3D-Echokardiographie bei Freizeitsportler*innen. - Unterscheidung: gesundes Sportherz vs. Erkrankung
Verdächtige Befunde können genauer eingeordnet werden: Handelt es sich um eine gesunde Trainingsanpassung oder um eine potenziell gefährliche Herzerkrankung? - Frühere Erkennung von Herzerkrankungen
Durch die ermittelten Referenzbereiche steigt die Chance, pathologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Betroffene rechtzeitig weiter abzuklären.
„Unter Berücksichtigung der präventivmedizinischen Relevanz sportlicher Aktivität in der Bevölkerung hoffen wir, mit dieser Studie einen Beitrag für sportkardiologische Vorsorgeuntersuchungen geleistet zu haben“, fasst Prof. Scharhag zusammen.
Wissenschaftliche Exzellenz aus Wien und ihre Wurzeln
Die Studie war Teil des PhD-Studiums von Dr. Hofbauer an der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien, in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Sportmedizin (ÖISM). Für ihre Publikation wurde sie jüngst mit dem Young Investigator Award der AG 32 Sportkardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ausgezeichnet.
Prof. Scharhag: „Für mich war und ist es eine besondere Freude und Ehre, mit international renommierten Expert*innen wie Antonio Pelliccia und vielen anderen sowie mit jungen Wissenschaftler*innen zusammenzuarbeiten, Gedanken auszutauschen und voneinander zu lernen.“
Er betont zugleich den Einfluss seiner frühen Ausbildung: „Ohne meine Zeit am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes bei Prof. Wilfried Kindermann, einem der bedeutendsten Sportkardiologen und Trainingsphysiologen, sowie mit meinen Kollegen Prof. Axel Urhausen und Prof. Tim Meyer wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Auf Basis dieser ‚Saarbrücker Schule‘ möchten wir mit unserem jungen Team in Wien das Verständnis der durch Sport induzierten Herzremodellierung weiter vertiefen.“
Was bedeutet das für die Zukunft?
Mit dem Konzept des „Herz des Freizeitsportlers“ und den definierten 3D-Referenzwerten setzt die Wiener Sportkardiologie einen wichtigen Meilenstein:
- Freizeitsportler*innen profitieren von einer sichereren, individuelleren sportmedizinischen Beurteilung.
- Ärzt*innen und Sportmediziner*innen erhalten neue Werkzeuge, um Trainingseffekte und mögliche Erkrankungen besser zu unterscheiden.
- Die internationale Fachwelt nimmt die Wiener Daten dank des Editorials von Antonio Pelliccia als wichtigen Referenzpunkt wahr.
Oder, wie Prof. Scharhag es formuliert: „Unser Ziel ist es, Sport für möglichst viele Menschen sicherer zu machen und gleichzeitig zu zeigen, wie sich auch das Herz bei Freizeitsportler*innen an regelmäßige Bewegung anpasst.“


