Wie Sie Herzmuskelentzündungen und plötzlichem Herztod vorbeugen

Regelmäßiger Sport gilt als eine der besten Maßnahmen, um das Herz lange gesund und leistungsfähig zu halten. Meldungen über tragische Herztodesfälle im Leistungs- und Freizeitsport – ob beim Fußball, im Radsport, beim Triathlon oder Marathon – schockieren und verunsichern Sporttreibende aber immer wieder. „Insgesamt schützt Sport viel mehr vor dem plötzlichen Herztod als dass er schadet. Der unerwartete Herzstillstand ist insgesamt ein sehr seltenes Ereignis. Laut Studien liegt die Häufigkeit zwischen 0,7 und 3,0 Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden im Jahr“, erklärt Sportkardiologe Univ.-Prof. Jürgen Scharhag, Teamarzt der U21-Nationalmannschaft des DFB und des OeSV. „Allerdings kann der plötzliche Herztod jeden treffen – auch junge, scheinbar gesunde Top-Athlet*innen.“ Bei intensiver Belastung beschleunigt sich der Herzschlag deutlich. Während dies für ein gesundes Herz unproblematisch ist, kann der schnelle Herzschlag bei einem vorgeschädigten Organ lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen und unbehandelt innerhalb weniger Sekunden zum Tod führen.

Ursachen für einen plötzlichen Herztod beim Sport

Auslöser für einen plötzlichen Herztod bei Sportler*innen unter 35 Jahren sind meist angeborene, unerkannte Erkrankungen des Herzmuskels, der Herzklappen, der Hauptschlagader oder der Herzkranzgefäße sowie eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nach einem Infekt. Bei älteren Sportler*innen ab etwa 35 Jahren ist die Verengung der Herzkranzgefäße, die sogenannte Koronare Herzkrankheit (KHK) der häufigste Grund, informiert Univ.-Prof. Scharhag, der 2005 die Arbeitsgemeinschaft Sportkardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gründete.

„Sport bei Infekten kann lebensgefährlich sein“

Durch Sportpausen bei Krankheiten sowie regelmäßige sportmedizinisch-kardiologische Gesundheitschecks (Sporttauglichkeitsuntersuchungen) könnte der plötzliche Herztod in den meisten Fällen verhindert werden – davon ist der erfahrene Mediziner fest überzeugt. Im Bundessportmagazin (2019), Titel: „Wie viel ist uns ein gerettetes (Sportler-)Leben wert?“ (PDF), verweist er auf Daten aus Italien: Nach Einführung einer gesetzlich verpflichtenden, jährlichen Sporttauglichkeitsuntersuchung für Wettkampfsportler aller Klassen und Disziplinen konnte die Häufigkeit des plötzlichen Herztodes beim Sport innerhalb von mehr als zwei Jahrzehnten von 3,6 auf 0,4 Todesfälle pro 100.000 Sporttreibende und Jahr gesenkt werden.

Ein gewichtiges Risiko seien nicht auskurierte Bakterien- und Virusinfekte. „Sport bei Infekten kann lebensgefährlich sein. Wenn man zu früh wieder ins Training zurückkehrt oder einen Wettkampf bestreitet, können sich Krankheitserreger im Herzmuskel einnisten, zu einer Herzmuskelentzündung und im schlimmsten Fall zum Herzstillstand führen.“ Eine Herzmuskelentzündung könne bereits bei banalen Infekten als Begleiterkrankung auftreten, ohne dass im Ruhezustand Herzbeschwerden gespürt werden.

Univ.-Prof. Scharhag rät daher auch Breitensportler*innen, bei Infekten unbedingt eine ausreichende Sportpause einzulegen, um keine Schäden am Herzen zu riskieren. Empfehlenswert sei außerdem, sich einmal pro Jahr sportmedizinisch-kardiologisch untersuchen zu lassen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der plötzliche Herztod im Sport durch regelmäßige sportmedizinisch-kardiologische Versorgeuntersuchungen verringert werden kann. Um sicher Sport treiben zu können, empfiehlt er neben einer sportmedizinischen Tauglichkeitsuntersuchung mit Ruhe-EKG und Belastungs-EKG, zumindest einmal einen Herz-Ultraschall vor (Wieder-)Beginn der sportlichen Aktivität durchführen zu lassen, um angeborene Herzerkrankungen wie beispielsweise Klappenfehler ausschließen zu lassen.

Wann Sie auf Sport verzichten sollten

Wer krank ist, sollte eine Sportpause einlegen, um Schäden am Herzen oder an anderen Organen zu vermeiden. Die Faustregeln im Überblick – kein Sport bei:

  • Erkältungssymptomen unterhalb des Genicks, etwa Gliederschmerzen („Neck-Check“)
  • Fieber (38 Grad oder mehr beziehungsweise Körpertemperatur 0,5 Grad höher als normal)
  • Ruhepuls 10 Schläge höher als normal (morgens im Bett liegend messen)

Wann Sie wieder ins Training einsteigen dürfen

Nach Infekten sollten Sie erst wieder mit dem Sport beginnen, wenn Sie vollständig symptomfrei sind und sich wieder ausreichend belastbar fühlen. Im Anschluss gilt: Starten Sie langsam und steigern Sie die Belastung nur schrittweise auf Ihr gewohntes Level. Eine körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls auch eine Blutuntersuchung beim Arzt helfen, die Sporttauglichkeit besser einzuschätzen und wieder sicher in das Training einzusteigen.

Haben Sie eine Herzmuskelentzündung, müssen Sie sich auf alle Fälle mehrere Monate konsequent schonen – das bedeutet: viel Ruhe, keine körperliche Belastung, keinerlei Sport, wenn möglich, Aufzug statt Treppe. Ein Training ist erst wieder nach drei bis sechs Monaten möglich, wenn sich das Herz wieder vollständig erholt hat und der Sportkardiologe nach umfassenden Untersuchungen wieder grünes Licht gibt.

Gerne stehen wir Ihnen am ÖISM für sportmedizinisch-kardiologische Untersuchungen zur Verfügung. Hier können Sie einen Termin vereinbaren.