Veranstaltungsarchiv zum „Forum Sport & Medizin“

Kostenfreie Veranstaltungsreihe der Abteilung Sportmedizin & des ÖISM an der Universität Wien für Sportler*innen, Trainer*innen, Mediziner*innen und Patient*innen

Im Folgenden können Sie Details zu unseren vergangenen Veranstaltungen nachlesen. Weitere Informationen zu unserem „Forum Sport & Medizin“ finden Sie hier.

8. „Forum Sport & Medizin“ am 16.04.2026, Motto „Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Übertraining und KI“

Zum dritten Mal nacheinander war beim „Forum Sport & Medizin“ der größte Hörsaal des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaft an der Universität Wien restlos gefüllt. Rund 250 Teilnehmer*innen – Mediziner*innen, Sportwissenschaftler*innen, Sportler*innen, Trainer*innen und Studierende – kamen bei der Veranstaltung zusammen, um aktuelle Fragen rund um Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Künstliche Intelligenz und Übertraining zu diskutieren. „Die große Resonanz zeigt, dass unsere Veranstaltungsreihe mit einem Mix aus Praxis und Wissenschaft viele aus dem Sport und der Medizin interessiert. Sie ist inzwischen für manche vielleicht sogar schon ein kleiner Fixpunkt im sportmedizinischen Kalender in Wien“, freute sich Gastgeber Univ.-Prof. Jürgen Scharhag, Leiter der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention an der Universität Wien und Ärztlicher Leiter des ÖISM.

Weniger Tools, mehr Verständnis

Welche Leistungsdiagnostik ist sinnvoll? Mit dieser Frage startete David Nader, Sportwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention, Universität Wien und am ÖISM, in den ersten Vortrag.

Seine Antwort fiel differenziert aus. Es gehe nicht darum, möglichst viele Daten zu erheben oder die „modernste“ Methode einzusetzen. Entscheidend sei, die Stärken und Schwächen der verschiedenen Methoden zu kennen sowie für die jeweilige Person und deren Zielsetzung die richtige Diagnostik zu verwenden. Darüber hinaus sei auch entscheidend, ob die gewonnenen Ergebnisse tatsächlich im Training genutzt werden können. Gerade im Breitensport werde häufig mehr gemessen, als im Training umgesetzt werden kann. Im Leistungssport hingegen könne zu grobe Diagnostik entscheidende Details übersehen. Naders Fazit: „Sowohl die Wahl der Methode als auch ihr Einsatz sollten an die Zielgruppe angepasst werden.“

Chancen der Künstlichen Intelligenz im Sport

Die Erwartungen rund um Künstliche Intelligenz im Sport nahm im zweiten Vortrag Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Hautsch, Professor für Finanzwirtschaft und Statistik und Vizerektor an der Universität Wien, genauer unter die Lupe. Differenziert, stellenweise bewusst gegen den Hype argumentierte der ehemalige Athlet der deutschen Rudernationalmannschaft. Die Möglichkeiten seien unbestritten. Ob Bewegungsanalysen, Mustererkennung oder Prognosen: Insbesondere in Spielsportarten liefere KI bereits heute wertvolle Unterstützung. „Laufwege, Passnetzwerke oder taktische Muster lassen sich detailliert auswerten und in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzen.“ Ähnliches gilt für die Analyse von Bewegungsabläufen in technischen Sportarten.

Im Ausdauersport zeige sich jedoch eine andere Realität. Hier gehe es nicht primär um Mustererkennung, sondern um Prozesse im Körper als Reaktionen auf bestimmte Trainingsreize – die seien deutlich schwerer greifbar. „Fitness und Ermüdung lassen sich nicht direkt beobachten, sondern können aus Trainingsdaten nur unter Hilfe von sportwissenschaftlichen und datenwissenschaftlichen Modellierungen gelernt werden.“

Entscheidend sei die Integration von Trainingswirkungsanalyse: „Systeme, die ausschließlich auf Datenmustern basieren, stoßen schnell an Grenzen. Wirklich belastbar werden Analysen erst dann, wenn maschinelles Lernen in sportwissenschaftliche Modelle integriert ist und damit Trainingswirkungen nachvollziehbar abgebildet werden.“ Ein konkretes Beispiel dafür ist AIROW (Artificial Intelligence in Rowing) – ein innovatives und einzigartiges Projekt der Universität Wien in Kooperation mit dem Österreichischen Ruderverband, gefördert vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Statistiker*innen, Mathematiker*innen und Sportwissenschaftler*innen haben eine digitale Trainingsplattform entwickelt, die seit drei Jahren bei Athlet*innen und Trainer*innen erfolgreich in Gebrauch ist und laufend weiterentwickelt wird. Ziel sei eine präzisere, individuell zugeschnittene Trainingssteuerung im Ausdauersport. Wissenschaftlich werde hier Neuland betreten, informierte Univ.-Prof. Hautsch.

Das Besondere: Daten aus Sensorik, Schnittstellen und subjektiver Einschätzungen von Athlet*innen werden mit trainings- und datenwissenschaftlichen Ansätzen sowie Trainer*innenexpertise zusammengeführt, um die Wirkung von Trainingslast quantifizieren und prognostizieren und damit Belastung und Regeneration besser aussteuern zu können. Diese Erkenntnisse liefern auch Blaupausen für andere Ausdauersportarten, wie zum Beispiel den Radsport. KI liefere dabei Entscheidungshilfen, ersetze aber nicht die sportwissenschaftliche Expertise.

Ermüdung, Überlastung und Übertraining

Mit Sportmediziner und Sportkardiologe Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag verlagerte sich der Fokus auf ein Thema, das im Sport schwer zu diagnostizieren ist: Überlastung und Übertraining.

„Die Übergänge zwischen Ermüdung, Überlastung und Übertraining sind fließend. Es gibt leider keinen Marker, mit dem wir verlässlich ein Überlastungs- oder Übertrainingssyndrom diagnostizieren können. Letztlich ist es eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, wir müssen anhand der Symptome infrage kommende Erkrankungen ausschließen, ohne hierbei eine sinnlose Schrotschussdiagnostik zu betreiben oder nur auf einzelne Labor- oder Messwerte zu starren. Entscheidend ist das Gesamtbild.“ Univ.-Prof. Scharhag betonte die Bedeutung einer evidenzbasierten Diagnostik und Therapie und sprach sich gegen vereinfachende oder nicht belegte Ansätze aus. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Regeneration nicht vernachlässigt werden dürfe und einen wesentlichen Bestandteil des Trainings darstelle.

Diskussion mit Sportwissenschaftler*innen, Mediziner*innen, Statistiker*innen, Grundlagenforscher*innen und Olympionik*innen

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde der Austausch fortgesetzt. Auch Andreas Graf, MBA, Headcoach Bahn im Österreichischen Radsport-Verband, Olympiateilnehmer und ehemaliger Vize-Weltmeister sowie Univ.-Prof. Christopher Gerner, Leiter der Joint Metabolome Faculty der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien, nahmen daran teil.

Wie wichtig neben allen möglichen Messungen auch die Erfahrung des Trainers, die genaue Beobachtung seiner Athlet*innen und darüber hinaus ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Athlet*innen, Trainern und Betreuern ist, wurde im Gespräch zwischen Univ.-Prof. Scharhag und Andreas Graf deutlich. Univ.-Prof. Gerner diskutierte die Möglichkeiten der Grundlagenforschung im Spitzensport und wie mit neuen Untersuchungsmethoden und modernen Laborverfahren – zum Beispiel der Analytik von Stoffwechselprodukten im Schweiß - neue Erkenntnisse im Sport gewonnen werden können.

Fragen & Antworten: Kurz-Interviews im Nachgang des 8. „Forums Sport & Medizin“

1) Herzfrequenz, Laktat oder Spiroergometrie – was ist entscheidend?
David Nader: „Die Wahl sollte immer das Ziel berücksichtigen. Die Herzfrequenz ist leicht zu messen, aber nicht immer präzise genug zur Ermittlung leistungsphysiologischer Schwellen. Laktatmessungen liefern genauere Informationen zur individuellen Belastungssteuerung. Spiroergometrie ermöglicht zwar weitere Einblicke in ventilatorische und metabolische Prozesse und wird deshalb sowohl im Sport als auch bei klinischen Untersuchungen von Patient*innenen eingesetzt, ist jedoch aufwändiger, fehleranfälliger und teurer. Entscheidend ist, dass die für die Fragestellung richtige Methode eingesetzt und korrekt interpretiert wird.“

2) Welche Parameter sind wirklich relevant für die Trainingssteuerung?
David Nader: „Ein strukturierter Trainingsaufbau bleibt zentral: zuerst Umfang steigern, dann Dauer, anschließend Häufigkeit und erst zuletzt Intensität. Hierbei liefern Herzfrequenz, Laktat und subjektives Belastungsempfinden gemeinsam eine solide Grundlage.“

3) Wohin entwickelt sich die Leistungsdiagnostik?
David Nader: „Ein vielversprechender Ansatz ist die kontinuierliche Laktatmessung. Sie würde eine präzisere und unmittelbare Steuerung des Trainings ermöglichen und könnte insbesondere im Ausdauersport einen großen Fortschritt darstellen.“

4) Wie verändert KI aktuell die Trainingsplanung?
Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Hautsch: „Sie ermöglicht die strukturierte Auswertung großer Datenmengen, die Identifikation von Mustern, wie zum Beispiel Konstellationen in einem Spiel oder Bewegungsabläufe, sowie Prognosen, zum Beispiel von Verletzungen oder Resultaten. In Spielsportarten und technischen Disziplinen ist der Nutzen bereits deutlich sichtbar, im Ausdauersport – zumindest im Spitzenbereich – bedarf es strukturellerer Ansätze und damit mehr als reine Mustererkennungen.“

5) Wo liegen die Grenzen?
Univ.-Prof. Hautsch: „KI erkennt Muster, bildet aber ohne geeignete Modelle keine physiologischen Anpassungen ab. Ohne diese bleibt die Aussagekraft begrenzt und Trainingsreize können nicht zielgenau gesetzt werden. Die Kombination aus Datenanalyse und sportwissenschaftlichem Verständnis ist daher entscheidend.“

6) Wie profitieren Breitensportler*innen?
Univ.-Prof. Hautsch: „Viele profitieren bereits von einfachen, regelbasierten Empfehlungen in Wearables oder Apps. Diese helfen, Training zu strukturieren und Fehler zu vermeiden. Im Breitensport kann das funktionieren, aber für den Spitzensport sind komplexere Modelle notwendig.“

7) Was unterscheidet Ermüdung von Überlastung und Übertraining?
Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag: „Ermüdung ist eine normale und erwünschte Reaktion auf einen Trainingsreiz und rasch binnen weniger Tage reversibel. Anders verhält es sich beim Überlastungs- oder Übertrainingssyndrom, das mit einer verminderten Leistungsfähigkeit über Wochen bis Monate anhalten kann.“

8) Wie lässt sich Übertraining diagnostizieren?
Univ.-Prof. Scharhag: „Leider gibt es keinen validen „Marker“, mit dem wir Überlastung oder Übertraining eindeutig diagnostizieren können. Entscheidend ist das Gesamtbild aus klinischem Befund, leistungsdiagnostischen Parametern und dem Empfinden des Athleten bzw. der Athletin.“

9) Wie kann man Übertraining vermeiden?
Univ.-Prof. Scharhag: „Indem man Regeneration als einen wesentlichen Bestandteil des Trainings versteht, auf ausreichende Regeneration achtet und die Gesamtbelastung im Blick behält – nicht nur das Training selbst, sondern auch Stress im Alltag und Beruf, die Ernährung, den Schlaf und die Regeneration. Warnsignale wie Schlafstörungen, anhaltende Müdigkeit, Stimmungsschwankungen  und unerklärliche Leistungsminderungen müssen ernst genommen und sportmedizinisch sowie leistungsdiagnostisch abgeklärt werden.“

7. „Forum Sport & Medizin“ am 27.01.2026, Motto „Frau und Sport“

Ein rappelvoll besetzter Hörsaal, interessante Diskussionen und ein Thema, das zunehmend mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung im Sport und in der Forschung erfährt: Mit rund 250 Teilnehmer*innen stieß das 7. „Forum Sport & Medizin“, Motto „Frau und Sport“, der Abteilung Sportmedizin und des Österreichischen Instituts für Sportmedizin (ÖISM) am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien auf überwältigendes Interesse. Es wurde deutlich, wie groß der Wunsch nach fundiertem Wissen und Austausch im Frauensport ist.

Auch die Nachrichtenagentur APA berichtete im Nachgang unserer Veranstaltung über zyklusbasiertes Training.
Zur News

Warum frauenspezifische Sportmedizin unverzichtbar ist

Um zu informieren, zu inspirieren und eine bessere Unterstützung für Sportlerinnen zu ermöglichen, präsentierten die beiden Mediziner Assoc.-Prof. Johannes Ott und PD Jan Niederdöckl (beide MedUni Wien) beim „Forum Sport & Medizin“ neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Zyklus, Hormonhaushalt, zyklusbasiertem Training, Schwangerschaft und Sport.

Die ehemalige Fußballspielerin Steffi Enzinger, Nationalspielerin 2015-2022, EM-Teilnehmerin 2017 und 2022, sowie die Nationalteam-Ruderin Lara Tiefenthaler, Olympiateilnehmerin 2024 und Europameisterin im Leichtgewichts-Einer 2025, berichteten im Gespräch mit Univ.-Prof Jürgen Scharhag über ihre Erfahrungen im Frauen-Hochleistungssport. Abschließend wurden in einer regen Podiumsdiskussion mit beiden Sportlerinnen, beiden Experten und dem interessierten Publikum viele wichtige und spannende Aspekte des Frauensports diskutiert.

Wie Hormone Training, Leistung und Regeneration beeinflussen

Den Auftakt machte Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Johannes Ott (MedUni Wien) mit einem Vortrag zum Zusammenspiel von Hormonhaushalt, Menstruationszyklus und sportlicher Leistungsfähigkeit. Dabei wurde klar: Der weibliche Körper folgt eigenen biologischen Rhythmen, die Training, Regeneration und Leistung maßgeblich beeinflussen. Zyklusbasiertes Training, hormonelle Verhütung und individuelle Betreuung standen im Zentrum seines Vortrags.

Warum Sport werdenden Müttern gut tut und Sicherheit gibt

Im zweiten Vortrag widmete sich PD DDr. Jan Niederdöckl, MBA (MedUni Wien) dem Thema Sport in der Schwangerschaft – einem Bereich, der noch immer von Unsicherheiten und Mythen geprägt ist. Mit klaren Empfehlungen zeigte er auf, wie körperliche Aktivität während der Schwangerschaft nicht nur möglich, sondern gesundheitsfördernd sein kann, für Mutter und Kind. Dieser gesundheitsfördernde Aspekt könne auch als therapeutisches Instrument bei schwangerschaftsassoziierten Erkrankungen eingesetzt werden. Für das sportbegeisterte Publikum ein besonders Highlight: „die besonderen Anforderungen und das spezifische Wissen für die Betreuung schwangerer Athletinnen, die passgenau nicht nur auf größtmögliche Leistungsfähigkeit, sondern auch auf die Sicherheit und Gesundheit von Mutter und Kind geschneidert werden muss", berichtete PD DDr. Jan Niederdöckl im Nachgang.

Von Vorsorgeuntersuchungen bis RED-S: Expert*innen und Sportler*innen im Austausch

Bei der Podiumsdiskussion, moderiert von Univ.-Prof. Jürgen Scharhag, Ärztlicher Leiter des ÖISM, wurden gemeinsam mit Steffi Enzinger und Lara Tiefenthaler verschiedene Problemfelder im Frauensport offen angesprochen – von sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen über Verletzungsrisiken, zyklusbasiertem Training bis hin zu RED-S (Relative Energy Deficiency in Sport). Die Diskussion machte deutlich: Fortschritt im Frauensport braucht nicht nur Wissen, sondern auch Sensibilität und den Mut, Probleme anzusprechen um bestehende Systeme zu verbessern.

Wissen, das bewegt: Frauenspezifische Sportmedizin als zentrales Zukunftsfeld

„Das 7. „Forum Sport & Medizin“ bestätigte einmal mehr den Anspruch unserer Veranstaltungsreihe, aktuelles sportmedizinisches Wissen kompakt, wissenschaftlich fundiert und zugleich verständlich zu vermitteln, und dabei den Dialog zwischen Forschung, medizinischer Praxis und Sport aktiv zu fördern. Der große Zuspruch unterstreicht, dass frauenspezifische Sportmedizin kein Nischenthema mehr ist, sondern ein zentrales Zukunftsfeld für Sport, Medizin und Gesellschaft“, betont Prof. Scharhag.

Sponsoren: Das 7. „Forum Sport & Medizin“ wurde freundlicherweise von folgenden Unternehmen unterstützt


Süss Medizintechnik: Catering für 1.801 Euro, Vitamin Well: 300 Getränke

Fragen & Antworten: Kurz-Interviews im Nachgang des 7. „Forums Sport & Medizin“

1) Was sind die Vorteile des zyklusbasierten Trainings?
Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Johannes Ott, MedUni Wien, Universitätsklinik für Frauenheilkunde: „Beim zyklusbasierten Training wird das Training an die verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus angepasst. In der ersten Zyklushälfte, der sogenannten Follikelphase, ist der Körper oft leistungsfähiger, regeneriert schneller und verträgt intensives Training besser. Studien deuten darauf hin, dass in dieser Phase Krafttraining und Muskelaufbau besonders effektiv sein können. In der zweiten Zyklushälfte fühlen sich viele Frauen schneller erschöpft, weshalb dort ein etwas reduziertes oder angepasstes Training sinnvoll sein kann.“

2) Wie wirken sich hormonelle Verhütungsmittel auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus und welche sind für Sportlerinnen die richtigen?
Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Ott: „Die aktuelle Studienlage zeigt keinen deutlichen Nachteil hormoneller Verhütungsmittel auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Allerdings ist die Datenlage noch begrenzt, und einzelne Sportlerinnen berichten über persönliche Leistungs- oder Befindlichkeitsveränderungen. Hormonelle Verhütung kann die natürlichen Hormonschwankungen beeinflussen, was sich bei manchen Frauen auf Regeneration oder Trainingsgefühl auswirken kann. Welche Verhütungsmethode geeignet ist, sollte daher individuell und in Absprache mit medizinischem Fachpersonal entschieden werden.“

3) Was sollten Frauen bzgl. Sport in der Schwangerschaft beachten?
PD DDr. Jan Niederdöckl, MBA, Facharzt für Innere Medizin, Arzt für Allgemeinmedizin, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Medizinische Universität Wien, Teamarzt SK Rapid und ÖFB U19: „Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft können und sollen regelmäßig körperlich aktiv sein, idealerweise mit 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Die Empfehlung – als Faustregel – ist, die Intensität so zu wählen, dass man während der Aktivität noch sprechen kann, aber nicht singen könnte. Von Aktivitäten mit hohem Sturz- oder Verletzungsrisiko (z. B. Kontaktsportarten, Tauchen etc.) wird abgeraten. Als weniger intuitive Besonderheit: Auch – vor allem längeres – Liegen auf dem Rücken nach der 20. Schwangerschaftswoche sollte vermieden werden, da dies den venösen Rückfluss beeinträchtigen kann. Außerdem ist aufmerksam auf Warnzeichen wie vaginale Blutungen, starke Bauchschmerzen, Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Muskelschwäche oder Balance-gefährdende Kraftminderung zu achten und gegebenenfalls zu reagieren. Darüber hinaus sind ausreichende Flüssigkeits- wie Nahrungszufuhr, lockere Kleidung und Training in einer thermoneutralen Umgebung wichtig. So werden Überhitzung, Dehydration, Unterzuckerung und Mangelernährung vermieden.“

4) Wie verändert sich die körperliche Leistungsfähigkeit im Laufe der Schwangerschaft?
PD DDr. Niederdöckl: „Während der Schwangerschaft nimmt sie meist ab, da Gewichtszunahme, veränderte Körperhaltung und Anpassungen des Herz-Kreislauf- und Atmungssystems die Belastbarkeit bezüglich muskulär umzusetzender Aufgaben reduzieren. Besonders die maximale Ausdauer und Muskelkraft sind eingeschränkt. Viele Frauen berichten dann über eine geringere Belastbarkeit beim Sport, aber auch im Alltag. Die gute Nachricht: Nach der Geburt erholt sich die körperliche Leistungsfähigkeit unmittelbar, wenn auch schrittweise. In den ersten Wochen ist die Belastbarkeit zwar noch deutlich reduziert, die Fitness nimmt aber rasch zu und erreicht bei gesunden Frauen meist innerhalb von 6 bis 12 Monaten wieder das Niveau vor der Schwangerschaft. Allerdings nur sofern regelmäßig trainiert wird und keine Komplikationen auftreten.“

5) Aus Ihrer Erfahrung als Profisportlerin: Wie könnten Frauen im Leistungs-, aber auch im Breitensport besser unterstützt werden – was könnte ihnen konkret helfen, um weniger Verletzungen zu erleiden und gesünder Sport ausüben zu können?
Steffi Enzinger, frühere Fußballspielerin, Stürmerin bis 2023 im ÖFB-Nationalteam und für den SKN St. Pölten, Österreichische Sportlerin des Jahres 2017: „Im Jahr 2021 wurde festgehalten (Cowley et al., 2021), dass nur 6 % der sport- und bewegungswissenschaftlichen Forschung sich ausschließlich auf Frauen konzentrieren. Das Wichtigste wäre aus meiner Sicht, dass in genau diese Studien investiert wird, um Know-How zu sammeln und sich dann damit auseinander zu setzen, wie man dieses Know-How in adäquate Programme bzw. Trainingskonzepte ummünzen kann. Der Zugang dazu, eine gute medizinische Betreuung und die Sensibilität, auf sich und seinen Körper ohne Druck Rücksicht nehmen zu können, wären aus meiner Sicht zentrale Punkte, um als Frau bestmöglich seinen Lieblingssport ausüben zu können.“

6) Welche körperlichen bzw. gesundheitlichen Themen spielen für Frauen im Leistungssport eine besondere Rolle?
Steffi Enzinger: „Für Frauen im Leistungssport sind insbesondere Belastungssteuerung, Regeneration, hormonelle Faktoren und der Menstruationszyklus relevant. Außerdem spielen spezifische Verletzungsrisiken eine wichtige Rolle. Eine angepasste medizinische Betreuung und entsprechende Trainingskonzepte sind daher zentral für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.“

7) Als Leistungssportlerin: Welche Rolle spielen Zyklus und hormonelle Faktoren ganz konkret in Deinem Trainingsalltag und hat sich Dein Blick darauf in den vergangenen Jahren verändert?
Lara Tiefenthaler, Nationalteam-Ruderin, Olympiateilnehmerin 2024 und Europameisterin im Leichtgewichts-Einer 2025: „Ja, definitiv. Früher war der Menstruationszyklus im Trainingsalltag kaum ein Thema, weder für mich, noch in meinem Umfeld. Heute weiß ich, wie stark hormonelle Schwankungen Leistung, Regeneration und auch mein Belastungsempfinden beeinflussen. Ich habe gelernt, genauer hinzuhören und Trainingseinheiten bewusster zu steuern. Das bedeutet nicht, dass ich mich einschränke, sondern dass ich gezielter trainiere und Signale des Körpers besser einordnen kann.“

8) Beim Forum wurde deutlich, dass Frauensport lange nach männlichen Maßstäben gedacht wurde. Was wünschst Du Dir aus Sicht einer Spitzensportlerin konkret für die Zukunft – im Leistungs-, aber auch im Nachwuchssport?
Lara Tiefenthaler: „Ich wünsche mir einen offenen Umgang mit frauenspezifischen Themen im Sport. Aspekte wie Menstruationszyklus, Energieverfügbarkeit oder verletzungsbedingte Risiken sollten ohne Tabus oder Scham angesprochen werden können. Dafür braucht es gut ausgebildete Betreuer*innen, die sensibel, individuell und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse arbeiten. Besonders im Nachwuchsbereich kann ein solcher Zugang langfristig einen entscheidenden Unterschied machen. Wenn junge Sportlerinnen früh lernen, ihren Körper zu verstehen und mit ihm zu arbeiten, profitieren sie gesundheitlich und sportlich.“

9) Welche sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen würden Sie speziell Frauen empfehlen und wie ist der aktuelle Stand in Österreich?
Sportmediziner und Sportkardiologe Univ.-Prof. Jürgen Scharhag, Ärztlicher Leiter des Österreichischen Instituts für Sportmedizin (ÖISM) und Professur für Sport- und Leistungsphysiologie am Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport an der Universität Wien: „Für sportlich aktive Frauen ist im Rahmen einer sportmedizinischen Tauglichkeitsuntersuchung besonders auch die gynäkologische Anamnese wichtig, da  hormonelle Faktoren die sportliche Leistungsfähigkeit und der Sport die hormonabhängige Gesundheit beeinflussen können. Beispielsweise kann durch einen sportbedingten Mangel an Östrogen eine frühzeitige Osteoporose auftreten mit einem erhöhten Frakturrisiko in jungen Jahren. Durch die Regelblutung ist bei Frauen auch ein Eisenmangel häufiger als bei Männern, sodass bei Sportlerinnen regelmäßige Kontrollen des Blutbildes und des Eisenstatus zu empfehlen sind. Allerdings sind Blutwertbestimmungen im sportmedizinischen Untersuchungssystem des österreichischen Spitzensports noch nicht etabliert und es wäre notwendig, dass zukünftig die wichtigsten Werte zumindest bei den einmal jährlich stattfindenden Sporttauglichkeitsuntersuchungen bestimmt würden.“

10) Warum sind Kreuzbandrisse bei Sportlerinnen häufiger und wie lässt sich das Risiko senken?
Univ.-Prof. Scharhag: „Kreuzbandrisse treten bei Sportlerinnen etwa 2-8 Mal häufiger auf als bei Männern. Ursachen sind anatomische Unterschiede sowie hormonelle Faktoren, die unter anderem zu laxeren Bändern führen und damit leichter zu Bandrupturen. Reduzieren lässt sich das Risiko durch gezieltes Kraft-, Koordinations- und Techniktraining zur Verbesserung der Muskelkraft und Kniegelenkskontrolle.“

6. „Forum Sport & Medizin“ am 13.05.2025, Motto „Sport und Ernährung“

Es war ein toller Abend! Der größte Hörsaal des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien platzte aus allen Nähten. Mehr als 200 Menschen kamen zu unserem 6. Forum „Sport & Medizin“ unter dem Motto „Sport und Ernährung“, hörten interessante Vorträge zu Nahrungsergänzungsmitteln im Sport, der Bedeutung des Mikrobioms sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten und diskutierten mit uns.

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Referenten, Moderatoren sowie allen Interessierten. Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir hier Informationen unserer Experten zusammengestellt. Außerdem finden Sie hier Presseveröffentlichungen zur Veranstaltung (weitere ergänzen wir in den kommenden Wochen).

THEMEN

  • Nahrungsergänzungsmittel im Sport: Sinn oder Unsinn? (Univ.-Prof. Daniel König)
  • Bedeutung des Mikrobioms und Beeinflussung durch Sport (Univ.-Prof. Michael Wagner)
  • Laktose, Fruktose, Gluten etc.: Wie häufig sind Intoleranzen und was müssen Sportler*innen beachten? (Univ.-Prof. Johann Hammer)

PRESSEVERÖFFENTLICHUNGEN

6 FRAGEN, 6 ANTWORTEN

  • Nahrungsergänzungsmittel sind bei Sportler*innen sehr beliebt – oft auch im Breitensport. Wann sind solche Präparate tatsächlich sinnvoll und wann eher überflüssig oder sogar schädlich?
    Univ.-Prof. Dr. Daniel König, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Leiter der Abteilung Ernährung, Bewegung und Gesundheit, Universität Wien: „Bei Nahrungsergänzungsmitteln muss grundsätzlich unterschieden werden, ob damit ein vermuteter Mangel ausgeglichen oder gezielt eine Leistungssteigerung – etwa im sportlichen Kontext – erzielt werden soll. Gerade bei letzterem sind die Erwartungen oft überzogen: Zwar gibt es einzelne sogenannte ergogene Supplemente, die unter bestimmten Bedingungen einen (zumeist sehr geringen) messbaren Effekt haben können, doch das gilt meist nur für spezifische Sportarten und sehr klar definierte Trainingssituationen. Nahrungsergänzungsmittel sind für die meisten Menschen mit ausgewogener Ernährung in der Regel nicht notwendig. Eine pauschale oder „blinde“ Einnahme ohne konkreten Anlass kann nicht nur überflüssig, sondern auch gesundheitlich bedenklich sein. Gerade wer mehrere Präparate kombiniert, überschreitet bei manchen Inhaltsstoffen schnell die empfohlenen Zufuhrempfehlungen – mit potenziell gesundheitlichen Risiken. Wer den Verdacht auf eine Mangelsituation hat, sollte sich vorab informieren oder – noch besser – eine gezielte Diagnostik in Anspruch nehmen.“
  • Das Mikrobiom – welche Rolle spielt es konkret für sportliche Leistung, Regeneration und allgemeine Gesundheit bei aktiven Menschen?
    Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Wagner, Leiter des Zentrums für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft (CeMESS), Universität Wien: „Das Darmmikrobiom – also die Gemeinschaft von Milliarden von Mikroorganismen in unserem Darm – spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit. Es hilft uns nicht nur, Nahrung zu verdauen und Vitamine zu bilden, sondern stärkt auch unser Immunsystem, schützt vor Krankheitserregern und beeinflusst sogar unsere Stimmung und wie wir auf Medikamente reagieren. Bewegung hat nachweislich einen positiven Einfluss auf das Mikrobiom: Sportlich aktive Menschen haben oft eine größere Vielfalt und Häufigkeit an „guten“ Darmbakterien, was allgemein mit besserer Gesundheit in Verbindung gebracht wird. Spannend ist auch, dass das Mikrobiom möglicherweise direkt unsere sportliche Leistung beeinflussen kann – etwa indem bestimmte Bakterien einen kleinen Teil des bei Anstrengung im Muskel entstehenden Laktats abbauen und so die Leistungsfähigkeit steigern. Erste Studien zeigen sogar, dass Darmbakterien bei Mäusen die Motivation zur Bewegung beeinflussen können – ob das auch für uns Menschen gilt, wird derzeit erforscht. Fest steht: Es gibt eine enge Wechselwirkung zwischen Bewegung und Darmmikrobiom. In Zukunft könnten wir vielleicht sogar das Mikrobiom nutzen, um den Trainingszustand besser zu erkennen oder die Regeneration gezielter zu steuern. Dieses Forschungsfeld steckt zwar noch in den Anfängen, birgt aber großes Potenzial.“
  • Viele Sportler*innen klagen über Unverträglichkeiten – von Gluten bis Fruktose. Wie häufig kommen diese tatsächlich vor, und was müssen betroffene Sportler*innen in Training und Wettkampf besonders beachten?
    Ao.Univ.Prof. Dr.med.univ. Johann Hammer, Univ. Klinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Universität Wien, AKH Wien: „Die Frage enthält zwei verschiedene Unterkategorien: Unverträglichkeit gegenüber Gluten (Eiweiß) und Unverträglichkeit gegenüber (kurzkettigen) Kohlenhydraten wie Fruktose (oder Laktose, Trehalose etc.). Zum Punkt Kohlenhydrate: Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind für Sportler*innen und Nichtsportler*innen gleichermaßen problematisch, scheinen jedoch bei Sportler*innen etwas häufiger aufzutreten. Sie sind wahrscheinlich etwas anfälliger für Beschwerden durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, da sie einerseits gelernt haben, mehr auf „ihren Körper“ zu hören und da bei ihnen die physiologischen Verhältnisse im Magen-/Darmtrakt durch physischen und / oder psychischen Stress (Trainingsbelastung, Wettkampf, Erfolgsdruck...), verminderte Durchblutung, erhöhter Bauchdruck, veränderte Darmmotorik etc. verändert sind. Generell spricht man von ca. 20 bis 40 % Kohlenhydratintoleranz in der österreichischen Bevölkerung, Sportler*innen werden da eher im oberen Bereich liegen. Da sich die medizinischen Anforderungen an die Diagnose einer Kohlenhydratintoleranz in den letzten Jahren geändert haben, ist es notwendig, eine medizinisch exakte Diagnostik durchzuführen. Zum Punkt Gluten: Die Meinung, dass Unverträglichkeit gegenüber Gluten ein großes Problem darstellt, ist zwar gerade sehr populär, aber beim heutigen Wissensstand eher eine Glaubensfrage. Sie hängt damit zusammen, dass jemand nach dem Verzehr von z. B. Weizenprodukten Bauchbeschwerden bekommt. Das kommt vor, keine Frage. Hierbei wird der Zusammenhang mit Personen mit Zöliakie, also mit Patient*innen mit einer genetisch bedingten Glutenunverträglichkeit, hergestellt, aber vergessen, dass bei ihnen der einmalige Konsum glutenhaltiger Nahrungsmittel im Regelfall sehr wenige Bauchbeschwerden macht (aber natürlich strengstens zu vermeiden ist, da der Konsum von Gluten bei diesen Menschen eine Schädigung der Darmschleimhaut verursacht).
    Warum also bekommen manche Menschen nach dem Verzehr von Weizenprodukten Bauchbeschwerden? Wahrscheinlich hängt dies mit anderen Proteinen zusammen, die im Weizen enthalten sind (z. B. sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren, ATI). Eine Untersuchung auf diese Art von Allergie auf Weizen (und andere eiweißhaltige Nahrungsmittel) ist der sogenannte DNPtest (duodenale Nährstoffprovokationstest), der an der Med Uni Wien durchgeführt wird und im Wesentlichen ein Allergietest direkt an der Darmschleimhaut ist.“
  • Das Forum richtet sich an ein breites Publikum – von Sportler*innen über Trainer*innen bis zu Ärzt*innen. Was macht das Konzept dieser Veranstaltungsreihe aus Ihrer Sicht besonders wertvoll?
    Gastgeber Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag, Leiter der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention und ÖISM, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien, Mannschaftsarzt der U21-Nationalmannschaft des DFB, des ÖRV und des OeSV: „Bei unserer regelmäßigen Veranstaltung „Forum Sport & Medizin“ auf der Schmelz am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien ist es mir wichtig, Sportler*innen, Trainer*innen, Ärzt*innen und Interessierten neue wissenschaftsbasierte Erkenntnisse aus den Bereichen des Sports und der Medizin verständlich zu präsentieren und hierüber einen unkomplizierten Austausch zwischen Expert*innen und Zuhörer*innen zu ermöglichen. Denn wir wollen keine Wissenschaft im Elfenbeinturm betreiben, sondern uns aktiv mit den Praktiker*innen, Sportler*innen und Patient*innen austauschen. Denn nur so generiert Wissenschaft und Forschung auch einen Mehrwert für die Praxis. Umgekehrt entstehen aber auch aus der Praxis sowie den Diskussionen und praktischen Tätigkeiten im Sport und der Medizin häufig Ideen für neue Forschungsprojekte zur Beantwortung aktueller Fragestellungen.“
  • Nahrungsergänzung, Mikrobiom, Unverträglichkeiten – das sind Themen, die oft mit viel Halbwissen diskutiert werden. Was möchten Sie den Interesssierten besonders mitgeben?
    Univ.-Prof. Scharhag: „Generell ist es mir wichtig, dass Sportler*innen, Patient*innen und Gesunde seriöse Informationen erhalten. Zu Nahrungsergänzung, Unverträglichkeiten und zunehmend auch zum Mikrobiom erhält man mittlerweile viele Informationen aus den Medien – von Sendeanstalten oder Verlagen über die Werbung bis hin zu Influencer*innen. Dadurch wird es für viele Menschen immer schwieriger, aus der Fülle von Informationen die richtigen herauszufiltern. Und wenn man bedenkt, dass einerseits Nahrungsergänzungsmittel boomen und in Deutschland im Jahr 2022 über 30.000 neue Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kamen, anderseits aber auch immer mehr über Nahrungsunverträglichkeiten berichtet wird, hoffe ich, dass wir mit solchen Veranstaltungen durch renommierte Expert*innen etwas Licht ins Dunkel bringen und die ein oder andere Frage beantworten können.“
  • Herr Professor Scharhag, Sie betreuen Nationalmannschaften und Leistungssportler*innen – was hat sich in den letzten Jahren in der praktischen Sportmedizin und Ernährungsberatung am meisten verändert?
    Univ.-Prof. Scharhag: „Sowohl der Sport als auch die Betreuung von Leistungssportler*innen wird immer professioneller. Auch hat die mediale Aufmerksamkeit und Berichterstattung zugenommen und die Wettkampfkalender werden aufgrund zunehmender Wettbewerbe immer dichter, sodass die Phasen für die notwendige Regeneration kürzer werden. Damit eine Saison erfolgreich verläuft, müssen die vielen Mosaiksteinchen wie z. B. Trainingsplanung, Regeneration, Ernährung, Schlaf, Reisen, medizinische Untersuchungen und Behandlungen sowie Physiotherapie richtig zusammengesetzt werden. Dies ist nur möglich durch ein gutes Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen.“

EXPERT*INNEN

Univ.-Prof. Dr. Daniel König
Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft,
Leiter der Abteilung Ernährung,
Bewegung und Gesundheit,
Universität Wien

Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c.
Michael Wagner

Leiter des Zentrums
für Mikrobiologie und Umwelt-
systemwissenschaft (CeMESS),
Universität Wien

Ao.Univ.Prof. Dr.med.univ.
Johann Hammer
Univ. Klinik für Innere Medizin III,
Klinische Abteilung für
Gastroenterologie und Hepatologie,
Medizinische Universität Wien,
AKH Wien

MODERATION

Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner
Professor für Innere Medizin,
Schwerpunkt Gastroenterologie
und Hepatologie,
Leiter der Klinischen Abteilung
für Gastroenterologie und
Hepatologie,
Universitätsklinik für
Innere Medizin III,
Medizinische Universität Wien

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag
Leiter der Abteilung Sportmedizin,
Leistungsphysiologie und
Prävention und ÖISM,
Institut für Sport- und Bewegungs-
wissenschaft,
Zentrum für Sportwissenschaft
und Universitätssport,
Universität Wien,
Mannschaftsarzt der
U21-Nationalmannschaft des DFB,
des ÖRV und des OeSV

5. „Forum Sport & Medizin“ am 22.01.2025, Motto „Sport und Immunsystem“

Intensives Training und sportliche Wettkämpfe bedeuten in der Regel auch Stress für unser Immunsystem. Je nach Intensität und Dauer kann unser Immunsystem nach einer Einheit akut geschwächt sein (Open-Window). Ursache sind u.a. die bei der Belastung ausgeschütteten Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Sie beeinträchtigen die Zellen unseres Immunsystems kurzzeitig, sodass es leichter zu Infekten kommen kann, die häufig die oberen Atemwege betreffen. Je intensiver die Belastung, desto ausgeprägter ist das Open Window.

Bei einem Infekt, aber auch bei einer Verletzung, greifen Sportler*innen nicht selten auf entzündungshemmende Schmerzmittel zurück, um ggf. weiter trainieren oder gar Wettkämpfe bestreiten zu können. Allerdings können Schmerzmittel sowohl akute als auch chronische gesundheitliche Probleme verursachen. Worauf sollten Sportler*innen daher bei Schmerzmitteln achten und welche Gefahren bestehen? Sind Sportler*innen anfälliger für Infekte? Wie beeinflusst Sport unser Immunsystem? Wann sollten Sportler*innen eine Sportpause einlegen, um keine Komplikationen wie eine Herzmuskelentzündung zu riskieren? Wann kann man wieder mit körperlichem Training beginnen? Wer sollte sich vor der Rückkehr ärztlich untersuchen lassen? Dies erklärten drei Expert*innen vor mehr als 120 Interessierten bei unserem 5. „Forum Sport und Medizin“ – kompakt, wissenschaftlich fundiert und für alle verständlich.

THEMEN

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel im Sport: Anwendung, Nutzen und Gefahren (Marc Schuhmann)
  • Sind Sportler*innen anfälliger für Infekte? (Barbara Wessner)
  • Return to Sport nach Infekten (Jürgen Scharhag)

INTERVIEWS

TAKE HOME MESSAGES

  • Zum Vortrag „Entzündungshemmende Schmerzmittel im Sport: Anwendung, Nutzen und Gefahren“:
    Schmerzmittel im Sport sind weit verbreitet. Mit entsprechender Indikationsstellung haben sie ihre Berechtigung. Schmerzmittel sollten Sportler*innen nur einnehmen, wenn sie Schmerzen haben und dann stets so kurz wie möglich. Ein multidisziplinärer Ansatz und multidisziplinäre Betreuung zwischen Sportmediziner*innen, Trainer*innen und Physiotherapeut*innen sind sinnvoll. Über Nebenwirkungen und Risiken von Schmerzmitteln fehlt es im Breiten- und Profisport noch an Aufklärung.
    Dr. Marc Schuhmann
  • Zum Vortrag „Sind Sportler*innen anfälliger für Infekte?“
    Sport hat einen umfassenden Einfluss auf das Immunsystem, wobei sowohl akute Auslenkungen als auch langfristige Anpassungen eine Rolle spielen. Die unmittelbaren Veränderungen in der Zahl und Funktion von Immunzellen werden durch die intensitätsabhängige Ausschüttung von Stresshormonen initiiert. Sehr hohe und insbesondere ungewohnte Belastungsvolumina können dabei kurzfristig zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Immunfunktion führen. Ob dies tatsächlich zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt, ist jedoch nicht abschließend geklärt, da zahlreiche weitere Faktoren, wie etwa die erhöhte Exposition bei Massenveranstaltungen, Jetlag, Jahreszeit, sowie individuelle Gegebenheiten wie Genetik, Fitnesszustand, Alter und Ernährung, berücksichtigt werden müssen. Langfristig wird das Immunsystem jedoch durch die regelmäßige sportliche Belastung vor allem im moderaten Bereich „trainiert“ und gestärkt.
    Assoz. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Barbara Wessner
  • Zum Vortrag „Return to Sport nach Infekten“
    Generell gilt bei einem Infekt: weniger ist mehr. Während eines Infekts sollte vollständig auf Sport verzichtet werden. Bei banalen Infekten sollten Sportler*innen etwa 14 Tage mit Sport pausieren, bei schweren Infekten etwa vier bis sechs Wochen, je nach Symptomen. Ein lockerer Wiedereinstieg sollte erst bei völliger Beschwerdefreiheit und normaler Belastbarkeit im Alltag erfolgen. Im Zweifelsfalle oder bei fehlender Leistungsfähigkeit rate ich, einen Arzt zu konsultieren. Ist während eines Infekts eine ärztliche Abklärung oder Behandlung erforderlich, empfiehlt sich vor dem Wiedereinstieg eine abschließende ärztliche Beurteilung.
    Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag

EXPERT*INNEN

Dr. Marc Schuhmann, BSc BSc MSc
Arzt in Ausbildung zum Allgemeinmediziner, Sportwissenschaftler und Lehrkraft am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien,
derzeit sportwissenschaftliches Promotionsstudium mit Forschungsschwerpunkt im Bereich Schmerzmittel im Leistungssport, Ausbildung zum Notarzt und Sportmediziner (ÖÄK), Fachweiterbildung für innerklinische Notfallmedizin (AAEM)

Assoz. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Barbara Wessner, Privatdoz.
Stv. Leiterin des Zentrums für Sportwissenschaft und Universitätssport, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Universität Wien,
Arbeitsgruppenleiterin Molekulare Leistungsphysiologie,
Präsidentin der Internationalen Gesellschaft für Sportimmunologie (ISEI) und der Österreichischen Gesellschaft für Sportwissenschaft (ÖSG)

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag
Leiter der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention und ÖISM, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien, Mannschaftsarzt der U21-Nationalmannschaft des DFB, des ÖRV und des OeSV

4. „Forum Sport & Medizin“ am 09.10.2024, Motto „Leistungssport und Universität“

Welche Unterstützung in Form von Services, Netzwerkstrukturen und gegebenenfalls Erleichterungen können bzw. sollten Wiens Universitäten studierenden Athlet*innen zwischen Hörsaal, Trainings und Wettkämpfen ermöglichen? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit Leistungssportler*innen ihre akademischen Ausbildungsziele trotz der Belastungen ihres Sports erreichen? Um diese und weitere Fragen ging es bei unserem 4. „Forum Sport und Medizin“, Motto „Leistungssport und Universität – Chancen und Notwendigkeiten für Spitzensportler*innen an Wiens Universitäten“ am 09.10.2024 in Wien.

Rund 50 Sportler*innen, Vertreter*innen der Universität Wien, der TU Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien, des Universitätssportinstituts Wien, des Vereins KADA („Karriere danach“), von Vereinen, Verbänden und der Politik sowie Mediziner*innen, Sportwissenschaftler*innen und Journalist*innen nahmen an der Veranstaltung teil. Ein gelungener Abend mit klaren Meinungen. Dass Spitzensportler*innen eine besondere Unterstützung benötigen, um gleichzeitig erfolgreich im Studium und im Sport zu sein, darin waren sich alle einig.

VORTRAGSTHEMEN

  • Chancen nutzen: Warum sollte und wie kann eine Universität Leistungssportler*innen fördern? (Nikolaus Hautsch)
  • Ein Blick hinter die Kulissen: Wie trainieren und studieren Hochleistungssportler*innen? (Lara Tiefenthaler)
  • Anpassung der Rahmenbedingungen: Wie kann eine Universität Leistungssportler*innen im Studium unterstützen – und welche Wirkung können wir damit erzielen? (Jens Schneider)
  • „University Rowing Vienna“: Vision und Konzept (Sebastian Kabas)

Statements u. a. zu Lockerungen in der Anwesenheitspflicht und individuellen Termine für Prüfungen

  • Dass Wiens Universitäten „auf einem sehr guten Weg seien, auch durch die Kooperation mit KADA“, erklärte Sebastian Kabas, EM-Bronzemedaillengewinner 2020 und U23 Vize-Weltmeister 2017 im Leichtgewichts-Doppelvierer und ehemaliger Student der Universität Wien (Sportwissenschaft), der derzeit seine Bachelorarbeit im Fach Biomechanik schreibt und sich als Obmann von University Rowing Vienna (URV) engagiert. „Lockerungen in der Anwesenheitspflicht und individuelle Termine für Prüfungen – das sind die zwei großen Stellschrauben, an denen Universitäten für studierende Leistungssportler*innen drehen können und sollten.“
  • Die gute, individuelle Unterstützung für studierende Athlet*innen durch KADA lobte Lara Tiefenthaler, Olympiateilnehmerin im Rudern und Studentin an der TU Wien (Masterstudium Raumplanung und Raumordnung). Sie trainiert durchschnittlich 25 Stunden pro Woche. 2025 möchte sie bei der WM in Shanghai „eine gute Performance abliefern“. Dass dabei ihr Studium nicht zu kurz kommt, dabei hilft ihr KADA. Der Verein berät sie bei der Vereinbarkeit von Wettkampf- und Studierphasen und der Abstimmung von Prüfungsterminen und Anwesenheitszeiten.

Leistungssportler*innen als Vorbilder und Botschafter*innen

  • „Die gute Vereinbarkeit von Spitzensport und universitärer Ausbildung ist einerseits eine notwendige Voraussetzung für ein Fortkommen im Spitzensport, andererseits aber auch ein wichtiger Beitrag für stärkere gesellschaftliche Würdigungen von Spitzenleistungen. Gleichzeitig sind Leistungssportler*innen für Universitäten sowie die Gesellschaft wichtige Role Models. Durch die Schaffung von Strukturen, die eine gute Vereinbarkeit von Spitzensport und universitärer Ausbildung ermöglichen, übernehmen Universitäten einerseits wichtige gesellschaftliche Verantwortung, können dadurch andererseits aber auch ihre eigene Attraktivität und Sichtbarkeit steigern“, betonte Univ.-Prof. Nikolaus Hautsch, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Wien, Vizerektor für Infrastruktur, Professor für Finanzwirtschaft und Statistik am Institut für Statistik und Operations Research der Universität Wien und ehemaliger Leichtgewichtsruderer in der Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbands.
  • „Viele Beispiele zeigen, dass die Verbindung von Leistungssport mit dem Studium an einer Technischen Universität die ideale Grundlage für ein glückliches und erfülltes Leben sein kann“, erklärte Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider, Rektor der TU Wien, Bauingenieur und Triathlet. „Geistige und körperliche Höchstleistungen schließen sich nicht aus, sondern können sich ideal einander ergänzen. Dies sollten wir in der Gesellschaft besser bekannt machen und benötigen dafür unsere Leistungssportler*innen als Vorbilder und Botschafter*innen. Gleichzeitig müssen wir durch strukturelle Anpassungen in der Universität und in Zusammenarbeit mit den Ministerien, Sportorganisationen und Verbänden möglichst hohe Flexibilität für den Tages- und Saisonablauf der Leistungssportler*innen schaffen. Dazu gehört auch, dass die Infrastruktur an den Universitäten in ihren Details, zum Beispiel hinsichtlich Gym- / Krafträumen, Duschen oder den Abstellmöglichkeiten für Fahrräder weiterentwickelt wird. Davon werden nicht nur die Leistungssportler*innen, sondern auch alle Student*innen und Mitarbeiter*innen profitieren, die Gesundheitssport ausüben.“
  • „Auch aus medizinischer Sicht ist es wichtig, optimale Rahmenbedingungen für Spitzensportler an unseren Universitäten zu schaffen. Denn durch die Doppelbelastung von Hochleistungssport und Studium ist sowohl die körperliche als auch die psychische Belastung für Spitzensportler besonders hoch und es besteht die Gefahr von Überlastungszuständen“, ergänzte Sportmediziner und Sportkardiologe Univ.-Prof. Jürgen Scharhag, Ärztlicher Leiter des ÖISM und Teamarzt des Österreichischen Ruderverbands (ÖRV), des Österreichischen Segel-Verbands (OeSV) und der U21-Nationalmannschaft des DFB.

REFERENT*INNEN

Univ.-Prof. Nikolaus Hautsch
Universität Wien, Wirtschaftswissenschaftler,
Vizerektor für Infrastruktur,
Professor für Finanzwirtschaft und Statistik am Institut für Statistik und Operations Research der Universität Wien, ehemaliger Leichtgewichtsruderer Nationalmannschaft Deutscher Ruderverband

Lara Tiefenthaler
TU Wien, Nationalteam Österreichischer Ruderverband, Olympia-Teilnehmerin 2024, WM-Teilnehmerin 2024, 2023 und 2022, U23-Europameisterin 2021, U23 WM-Dritte 2019

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider
TU Wien, Rektor, Bauingenieur, Triathlet

Sebastian Kabas
Universität Wien, University Rowing Vienna (URV), EM-Bronze 2020, U23 Vize-Weltmeister 2017, U23-Europameister 2017, U23 EM-Bronze 2018, U23 EM-Bronze 2019

PODIUMSDISKUSSION MIT FOLGENDEN GÄST*INNEN

Lara Tiefenthaler
TU Wien, Nationalteam Österreichischer Ruderverband, Olympia-Teilnehmerin 2024, WM-Teilnehmerin 2024, 2023 und 2022, U23-Europameisterin 2021, U23 WM-Dritte 2019

Sebastian Kabas
Universität Wien, University Rowing Vienna (URV), EM-Bronze 2020, U23 Vize-Weltmeister 2017, U23-Europameister 2017, U23 EM-Bronze 2018, U23 EM-Bronze 2019

Prof. Mag. Peter Ankner
Universitätssportinstitut Wien (USI), Leitung

Univ.-Prof. Jonas Puck
Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), Dean for International Affairs, Universitätsprofessor für International Business, Vizepräsident First Vienna FC, Leiter der Forschungsinitiative Sport & Management an der WU

Univ.-Prof. Nikolaus Hautsch
Universität Wien, Wirtschaftswissenschaftler,
Vizerektor für Infrastruktur,
Professor für Finanzwirtschaft und Statistik am Institut für Statistik und Operations Research der Universität Wien, ehemaliger Leichtgewichtsruderer Nationalmannschaft Deutscher Ruderverband

DDr. Christoph Schmölzer
Vierfacher Ruder-Weltmeister, Zahnarzt, hat den Verein „KADA – Sport mit Perspektive“ von der ersten Stunde an bis 2019 gemeinsam mit Roswitha Stadlober aufgebaut und war KADA-Präsident bis 2019

Mag. Nik Berger
Geschäftsführer von KADA („Karriere danach“) – eines gemeinnützigen Vereins, der sich für die Vereinbarkeit von Spitzensport und Bildung einsetzt

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider
TU Wien, Rektor, Bauingenieur, Triathlet

MODERATION

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag
Leiter der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention und ÖISM, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien, Mannschaftsarzt der U21-Nationalmannschaft des DFB, des ÖRV und des OeSV

3. „Forum Sport & Medizin“ am 24.06.2024, Motto „Fußball, Herz und Knie“

Welche Tools der Sportpsychologie nützen Elfmeterschützen? Wie operiert man das Kreuzband am besten? Und wann kann der Spieler, wann die Spielerin wieder trainieren und wann wieder spielen? Wer ist gefährdet für einen plötzlichen Herztod im Sport? Was und wie sollte man bei Sporttauglichkeits-Checks untersuchen? Antworten auf diese und weitere Fragen gaben anlässlich der Fußball-Europameisterschaft renommierte Expert*innen im Rahmen unseres 3. „Forums Sport und Medizin“am 24.06.2024  – kompakt, wissenschaftlich fundiert und für alle verständlich. Zu einigen Vortragsthemen gab es im Nachgang Interviews. Diese finden Sie weiter unten auf dieser Seite zum Nachlesen (unter Moderation),

THEMEN

  • Southgate und Co.: Die Angst des Elfmeterschützen: Nützliche Tools der Sportpsychologie für Elfmeterschützen.
  • Alaba und Co. (Teil 1): Wie operiert man das Kreuzband am besten?
  • Alaba und Co. (Teil 2): Welche Rehabilitation, welches Training nach Kreuzbandplastik? Ab wann kann Alaba wieder spielen?
  • Erikson und Co.: Wer ist gefährdet für einen plötzlichen Herztod im Sport? Was und wie bei Sporttauglichkeitsuntersuchungen untersuchen?

EXPERT*INNEN

Assoz.-Prof. Dr. Peter Gröpel
Arbeitsbereich Sportpsychologie, Universität Wien

PD Dr. Ulrich Koller
Leiter Sportorthopädie der Universitätsklinik für Orthopädie, Medizinische Universität AKH Wien

Univ.-Ass. Mag. Dr.scient.med.
Timothy Hasenöhrl, Bakk.

Leiter des Bewegungsanalyselabors, Sportwissenschaftler und Medizinwissenschafter mit Schwerpunkt Trainingstherapie, Medizinische Universität AKH Wien

Dr. med.univ. Philipp Kull
Physiotherapeut und Facharzt für PM&R in Ausbildung, Medizinische Universität AKH Wien

PD Dr. Jan Niederdöckl
Facharzt für Innere Medizin, Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität AKH Wien, Mannschaftsarzt U19 Nationalteam ÖFB und Rapid Wien

MODERATION

Ao.Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MMSc. MBA
Leiter Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin, Medizinische Universität AKH Wien

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag
Leiter der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention und ÖISM, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien, Mannschaftsarzt der U21-Nationalmannschaft des DFB, des ÖRV und des OeSV

INTERVIEWS

Einige unserer Expert*innen wurden rund um das 3. „Forum Sport & Medizin“ interviewt. Nachfolgend finden Sie die Veröffentlichungen zum Nachlesen:

2. „Forum Sport & Medizin“ am 17.01.2024, Motto „Kind und Sport“

Regelmäßige Bewegung und Sport verbessern die körperliche und seelische Gesundheit, die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit. Wenn Kinder regelmäßig Sport treiben, ob in der Schule oder im Verein, kann dies Kompetenzen in vielen Bereichen fördern – von sozialer Kompetenz, Teamgeist, Fairness bis hin zu gestärktem Selbstbewusstsein. Entsprechend sollte allen Menschen eine Teilhabe an Bewegung und Sport möglich sein. Wie können Barrieren für blinde und sehbeeinträchtigte Schüler*innen im Schulsport abgebaut werden? Zu welchen Gesundheitsrisiken führen Übergewicht und Adipositas bereits bei Kindern und welche einfachen, präventiven Maßnahmen können Abhilfe schaffen? Welche Effekte hat ein zusätzliches Sportprogramm an Wiener Schulen gezeigt? Was ist aus sportmedizinischer Sicht bei Kindern und Jugendlichen im Sport zu beachten? Auf diese und weitere Fragen gaben wir am 17.01.2024 Antworten – kompakt, wissenschaftlich fundiert und für Jedermann verständlich.

TAKE HOME MESSAGES

  • Zum Vortrag „Ernährung, Bewegung und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen – Ergebnisse des EDDY-Projekts“
    Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem - eine Krankheit mit dramatischen Folgen, die nicht ernst genug genommen wird. Da die Behandlung schwierig und kaum erfolgreich ist, ist die Prävention unabdingbar: Ernährungsschulung und Erhöhung der körperlichen Aktivität sind nachweisbar imstande, der Entwicklung der Adipositas entgegenzuwirken.
    Univ.-Prof. em. Dr. Kurt Widhalm
  • Zum Vortrag „Zusätzliches Sportprogramm an Wiener Schulen: Was bringt’s?“
    Die Anzahl übergewichtiger, adipöser sowie körperlich inaktiver Schüler*innen steigt jährlich besorgniserregend an. Präventive Maßnahmen wie Ernährungs- und Sportinterventionen in Volksschulen und/oder eine Anbindung der Kinder an Sportvereine dienen als Schutzfaktoren für Gesundheitsrisiken und können dem steigenden Problem des Übergewichts, der Adipositas sowie der Folgen körperlicher Inaktivität entgegenwirken.
    Ass.-Prof. Dr. Rhoia Clara Neidenbach
  • Zum Vortrag „Bewegung für alle?! Perspektiven von Schüler*innen mit Blindheit und Sehbeeinträchtigung auf Bewegungs- und Sportunterricht“
    Herausforderungen meistern und möglichst Erfolgserlebnisse erzielen: Schüler*innen mit Blindheit und Sehbeeinträchtigung können von Bewegungs- und Sportunterricht ungemein profitieren. Neben einer besseren körperlichen Fitness, einem besseren Körpergefühl und mehr Koordination ermöglicht ihnen die gemeinschaftliche Aktivität mit ihren Mitschüler*innen und Lehrkräften mehr Vertrauen in sich und andere. Für den Ausbau inklusiven Sportunterrichts sollten sie daher als Menschen im Mittelpunkt stehen, ihre „Stimme" gehört und mögliche Anpassungen im Unterricht hiervon ausgehend angegangen werden.
    Assoz.-Prof. Dr. Stefan Meier
  • Zum Vortrag „Was ist aus sportmedizinischer Sicht bei Kindern und Jugendlichen im Sport zu beachten?“
    Das Aufgabengebiet der Kindersportmedizin ist sehr umfangreich. Sie begleitet vom Vorschulalter bis in das junge Erwachsenenalter Vereins,- Leistungs- und HochleistungssportlerInnen, aber auch chronisch Kranke, von der sportmedizinischen Tauglichkeitsuntersuchung über die Leistungsdiagnostik bis zur Trainingsberatung. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die Prävention von Überlastungsschäden, um ein langes und gesundes Verbleiben im Sport zu ermöglichen.
    Dr. Erwin Kitzmüller

EXPERT*INNEN

Univ.-Prof. em. Dr. Kurt Widhalm
Professor für Ernährungsmedizin, Leiter der Abteilung für Ernährungsmedizin, Medizinische Universität Wien
Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin (ÖAIE)

Ass.-Prof. Dr. Rhoia Clara Neidenbach
BSc. M.Sc., Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Universität Wien

Assoz.-Prof. Dr. Stefan Meier
Leiter der Abteilung Sportpädagogik, Fachdidaktik Bewegung und Sport, Sozial- und Zeitgeschichte des Sports
Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport & Zentrum für Lehrer*innenbildung, Universität Wien

Dr. Erwin Kitzmüller
Stellvertretende Leitung des Kinderherzzentrums Wien, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinikum AKH Wien

MODERATION

Univ.-Prof. Dr. Ina Michael-Behnke
Leitung des Kinderherzzentrums Wien, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinikum AKH Wien

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag
Leiter der Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention und ÖISM, Institut für Sportwissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien

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1. „Forum Sport & Medizin“ am 04.10.2023, Motto „Prävention durch körperliche Aktivität und Sport“

Sport gilt als eines der wirkungsvollsten und sichersten „Medikamente“. Doch wieviel Sport ist gesund? Welche „Dosis“ ist erforderlich zur Prävention von Erkrankungen sowie zur Rehabilitation und Verbesserung der Lebensqualität bei Erkrankungen? Wie trainieren Gesundheits- und Freizeitsportler*innen richtig? Wie trainieren Hochleistungssportler*innen richtig? Welche*r Patient*in darf wie Sport machen? Antworten auf diese und weitere Fragen gaben wir bei unserer Auftaktveranstaltung – kompakt, wissenschaftlich fundiert und für Jedermann verständlich. Expert*innen aus den Bereichen Sport und Medizin teilten ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Methoden und standen für Fragen zur Verfügung.

TAKE HOME MESSAGES

  • Zum Vortrag „Vom Schaffner bis zum Weekend-Warrior: Wie viel Sport ist gesund, ab wann wird es ungesund?“:
    Für die Prävention durch körperliche Aktivität reichen bereits regelmäßig in den Alltag integrierte körperliche Aktivitäten, zum Beispiel Spazierengehen, Rasenmähen oder Tanzen. Allerdings zeigen intensivere Alltagsaktivitäten oder Sport größere Effekte hinsichtlich der vorzeitigen Sterblichkeit (Mortalität). Das Optimum des zusätzlichen Energieverbrauchs durch körperliche Aktivität über alle Altersgruppen liegt bei etwa 2.500 bis 3.500 kcal pro Woche.
    Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag
  • Zum Vortrag „Dauermethode, Polarized Training, HIIT, Weekend-Warrior: Wie trainieren Gesundheits- und Freizeitsportler*innen richtig?“:
    Intervallartige Trainingsformen haben auch im Breiten- und Gesundheitssport Einzug gehalten und sind eine gute Ergänzung zum Training nach der Dauermethode. Aufgrund der höheren körperlichen Belastung bei intervallartigem Training werden eine sportärztliche Untersuchung und Leistungsdiagnostik zur besseren Trainingssteuerung empfohlen.
    Univ.-Prof. Mag. Dr. Robert Csapo
  • Zum Vortrag „Wie trainieren Leistungs- und Spitzensportler*innen richtig?“
    Im Hochleistungssport ist ein langjähriges Training mit hohen Umfängen und Intensitäten erforderlich, um erfolgreich zu sein. Hierfür setzt der ÖRV auch auf künstliche Intelligenz im Projekt AIROW (Artificial Intelligence in Rowing), welches wissenschaftlich in Kooperation mit der Universität Wien durchgeführt wird.
    Dipl.-Sportwissenschaftler Robert Sens
  • Zum Vortrag „Sport mit koronarer Herzkrankheit (KHK) und nach Herzinfarkt: Geht das? Und wenn ja, wie?“
    Auch für Patient*innen mit KHK und Herzinfarkt sind körperliche Aktivität und Sport ein wichtiger Baustein zu Gesundhaltung. Zur Beurteilung der Sporttauglichkeit und Leistungsfähigkeit sind Anamnese und Voruntersuchung maßgeblich. Leichtes und moderates Training / HIIT sind möglich, Hochleistung sollte vermieden werden. Sollte Wettkampfsport betrieben werden, muss eine Risikostratifizierung durch eine*n Sportkardiolog*in oder Kardiolog*in mit sportmedizinischer Expertise erfolgen. Sport >2000 MET min/Woche kann zu deutlich vermehrter Kalzifizierung der Coronararterien führen.
    Privatdozent Dr. Michael Sponder

EXPERTEN UND MODERATION

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag, Leiter Abteilung Sportmedizin, Leistungsphysiologie und Prävention und ÖISM, Institut für Sportwissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien

Univ.-Prof. Mag. Dr. Robert Csapo, Leiter Abteilung Trainingswissenschaft, Institut für Sportwissenschaft, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport, Universität Wien

Dipl.-Sportwissenschaftler Robert Sens, Nationaltrainer ÖRV, dreifacher Ruderweltmeister

Privatdozent Dr. Michael Sponder, Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinikum AKH Wien

Univ.-Prof. Dr. Christian Hengstenberg, Leiter klinische Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universität Wien

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